Nippes

Kicken in Nippes – mehr Schein als Sein?

„Bonito“ spaziert fast jeden Tag mit seinem Hund durch den Grüngürtel in Nippes. Dabei passiert er auch immer wieder den Bolzplatz an der Neusser Straße – den Platz, an dem er seiner eigentlichen Leidenschaft, dem Fußballspielen, frönen könnte….wenn dort nur irgendjemand spielen würde.

Seine Freunde nennen ihn Bonito. Sein Vater kam ursprünglich als Gastarbeiter aus Italien. Als dieser dann in Deutschland die Frau fürs Leben kennenlernte, ließ er sich hier in Nippes nieder und gründete eine Familie.

In dieses kulturell eher gemischte Verhältnis wurde ihr Sohn Bonito hineingeboren. Heute ist Bonito 28 Jahre alt und lebt seit jeher in diesem aufgrund seines hohen Immigrationsanteils  eher brisanten Stadtteil Kölns. Eine Ausbildung hat Bonito niemals begonnen, die Schule gerade mal so mit Ach und Krach geschafft. Sein Leben ist sein Hund, der Rottweiler Astor.

Und den Wurzeln seines Vaters gemäß natürlich der Fußball. Juventus Turin ist seine Lieblingsmannschaft. Turin – die Stadt, in der sein Vater einst geboren wurde. Und weil Bonito in seinem durchwachsenden Leben nicht viel außer seinem Hund und dem Fußball geblieben ist, möchte er diese beiden Leidenschaften gerne auch hier in Nippes weiter ausleben.

Aber mit den hiesigen Sportanlagen ist er überaus unzufrieden. Jeden Tag geht er im Grüngürtel mit Astor spazieren. Dabei passiert er auch immer wieder den an der Neusser Straße gelegenen Bolzplatz.

„Der Platz an sich ist ja ok. Aber spielen tut hier nie jemand. Ostern hab ich hier zuletzt einen zocken sehen“, erklärte er uns in einem kurzen Interview. „Wahrscheinlich weil’s hier immer so dreckig ist. Die Mülleimer sind immer randvoll. Dass die mal geleert werden, habe ich noch nie erlebt. Kein Wunder, dass hier keiner Bock drauf hat.“

Bonito beklagt die zunehmende „Ghettoisierung“ des Stadtteils, bedingt durch die wachsende Armut der Anwohner und die zunehmende Verschmutzung der Straßen und Grünanlagen. Denn diese schreitet mit großen Schritten voran. „Noch vor drei Jahren sah das hier ganz anders aus. Da war’s noch nicht so dreckig. Und für ein kurzes Match hat sich eigentlich immer einer gefunden…“.

Bonito sieht die Lokalpolitiker stärker in der Pflicht. Diese haben, bedingt durch ihr mangelndes Engagement für Sauberkeit und eine verfehlte Integrationspolitik, den momentanen Zustand seines geliebten Viertels erst soweit kommen lassen, meint er. Seiner Meinung nach könnte eine groß angelegte Aufräumaktion allerdings einen erheblichen Teil des Problems lösen.

Der Zustand der Sportanlage und dessen Sauberkeit sind immerhin ausschlaggebend für eine rege Nutzung. Und diese würde der Integration ebenso zugute kommen. Doch der Stadt Köln fehlt das Geld momentan an allen Ecken und Enden.

Ob die Stadt also Bonitos Wunsch nachkommen kann, ist fraglich. Vielleicht sind hier auch einfach die Spieler selbst in der Pflicht, die Initiative zu ergreifen, um ihre Umwelt selbst aktiv neu zu gestalten.

„Wenn hier endlich mal einer aufräumen würde, wär ich sofort mit dabei“, warf er uns noch hinterher, bevor er mit seinem Rottweiler weiterzog. Vielleicht wird sich ja bald jemand für eine solche Aktion finden. Bonito wäre mit Sicherheit mit von der Partie…

Roman Groß

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