Kwatier Lateng

Die „Kickenden Kurfürsten“

Wie ist das eigentlich, wenn man Freizeitkicker ist? Eine Frage von vielen, die mich brennend interessiert und darum habe ich einen Kicker aus dem Nähkästchen erzählen lassen.

Michael selbst hat vor Jahren als Neuankömmling in Köln, nach anderen Hobbykickern gesucht und in einem Arbeitskollegen direkt jemanden gefunden, der das mit Herzblut tut. Von ihm wurde er an einem Sonntag gleich mit zum Training auf die Uni-Wiese genommen. So fand er seinen Platz im Team der „Kickenden Kurfürsten“. Im Laufe der Zeit sind es dann immer weniger Spieler geworden, doch inzwischen ist eine Trainings-Fusion mit den vorherigen Kicker-Gegnern namens „Spartak-Ehrenfeld“ vollzogen worden.

Egal ob Regen oder Schnee, die „Kickenden Kurfürsten“ spielen bei jeder Witterung. „Bei uns gibt es keinen Weichei-Bonus!“, so der Kicker. Der einzige Unterschied zum Sommer ist, dass der Anstoß im Winter bereits um 14 statt um 16 Uhr ist.

Zu ihrem Namen kamen die „Kickenden Kurfürsten“ bei dem jährlich stattfindenden Benefiz-Südstadt-Turnier. Bei der Anmeldung brauchten sie schnell einen Namen, um teilnehmen zu können. Er sollte mit der Südstadt zusammenhängen und zufällig wohnte ein Mitspieler in der Kurfürstenstraße – schon war der Name „Kickende Kurfürsten“ geboren.

Immer schon wollten sie sich umbennen, aber das hat sich bis heute noch nicht ergeben. Genauso wie sich die Mannschaft immer vorgenommen hat Tore anzuschaffen. Es dienen bisher Rucksäcke oder Taschen als Tor-Markierungen. Mit richtigen Toren könnten sich nämlich diese ständigen Diskussionen vermeiden lassen, ob ein Schuss jetzt definitiv ein Tor war, nur den Pfosten getroffen hat oder doch zu hoch geschossen wurde. Schiedsrichter gibt es nämlich keine, denn jeder Spieler ist im Grunde Schiedsrichter – es wird „Fair-Play“ gespielt. Einmal mussten sie allerdings einen Mitspieler aus der Mannschaft „rausschmeißen“, weil derjenige tatsächlich einen Konflikt mit seinen Fäusten lösen wollte. Was die Jungs aber gleich angeschafft haben, waren farbige Leibchen. Weil immer wieder neue Leute mitspielen, kann es bei einem Ballpass schon mal vorkommen, dass man sich währenddessen fragt: „Gehört der überhaupt zu meinem Team?“, mit Leibchen kann das nicht passieren. Allerdings kommt damit auch das Problem des Waschens dazu. Der Waschdienst geht reihum. Doch passiert es auch mal, dass das Waschen vergessen wird. Dann werden eben die bereits verschwitzten Leibchen noch weiter verschwitzt. Was soll’s.

Die „Kickenden Kurfürsten“ spielen nicht in der „Bunten Liga“, weil es dort zu viele regelmäßige Termine gibt. Einmal in der Woche kicken und  anschließend ein Bierchen trinken gehenist den Hobbykickern lieber. Im Sommer gibt es das erfrischende Kölsch vom Kiosk, im Winter zieht es die Jungs nach dem Spiel in die Kölsch-Bar an der Lindenstraße.

Es geht den Fußballern in erster Linie um Spaß, doch sportlicher Ehrgeiz spielt auch eine Rolle, denn ohne würde kaum ein Spiel zustande kommen.

Außerdem gibt es gewisse „Rituale“: Wenn jemand Vater geworden ist oder Geburtstag hat, wird eine Kiste Kölsch mitgebracht und nach dem Spiel geleert.

Ab und zu spielen auch Mädchen mit- erstaunlich gute Kickerinnen sogar. Allerdings gab es auch die typischen Mädchen, die noch nicht mal einen Pass gerade an einen Mitspieler schießen konnten. Einmal gehörte ein Mädchen sogar fest zum Kader, aber sie hat Karriere gemacht und keine Zeit mehr.

Die Positionen, in denen gespielt wird, rotieren während des Spiels, da jeder einmal ins Tor soll. Bei Turnieren wird allerdings darauf geachtet, dass jeder Spieler auf der gleichen Position spielt, um Chaos zu vermeidenund um einer Blamage vorzubeugen. Die Mannschaft der Ubierschänke beispielsweise hat sogar einen Ex-Bundesligisten dabei, sodass das Niveau teils sehr hoch ist.

Seit Jahren spielen die „Kickenden Kurfürsten“ auf der Wiese unmittelbar hinterm WISO-Gebäude. Eigentlich ist es nur ein Dreieck, aber trotzdem bleiben sie dabei: „Vielleicht kommt nach Jahren ein Ex-Spieler von uns mal wieder zurück nach Köln und will wieder spielen, dann weiß er genau, wo er uns finden kann.“ Alle anderen Wiesen um die Uni herum sind auch bereits belegt und die meisten beharren auf ihr Recht, da sie schon seit Jahren dort spielen. Dafür ist die Wiese der „Kickenden Kurfürsten“ auch meist frei.

Die Mannschaft setzt sich aus Mittzwanzigern bis Endvierzigern zusammen. Im Winter kann es passieren, dass nur vier Kicker zusammenkommen, dann spielen eben „zwei gegen zwei“. In der Regel ist der Platz aber perfekt für „sieben gegen sieben“. Im Sommer kommen manchmal mehr Leute als mitspielen können. Dann haben die „Alteingesessenen“ Vorrecht. „Das Tolle ist, dass man auch immer neue Leute kennenlernt.“ Auch bei den Gegnern sind ab und zu überraschend gute Fußballspieler dabei und dann macht es doppelt Spaß.

Eine Anekdote dazu ist, dass der Torwart vor ein paar Jahren an dem Abend vor dem Südstadt-Turnier zu einer Party geladen und die Hälfte der Mannschaft abgefüllt hat, sodass sie nicht antreten konnten. Daraufhin wurde auf dem Turnier die Durchsage gemacht, dass die „Kickenden Kurfürsten“ noch Mitspieler brauchen. Es fand sich ein Spieler, der sogar in der 1. Liga spielte. Allerdings auf Mauritius. Das Turnier haben sie trotzdem nicht gewonnen, aber der Spaßfaktor war wie immer sehr hoch.

Der lässt allerdings zu wünschen übrig, wenn alle zum Spielen zusammengekommen sind, aber kein Ball da ist. Das passiert mal. Besonders dann, wenn an einem Sonntag vier Spieler da sind und 5 Bälle und darauf die Woche 12 Spieler und kein Ball, „weil letzte Woche doch so viele da waren.“ Tja, dann wird sich eben einer von den Nachbarn ausgeliehen oder einer fährt schnell nach Hause und holt die Pille. Alles also nicht sehr perfekt organisiert, aber gespielt wird immer.

Bevor angestoßen wird, teilt einer der älteren Spieler die Teams ein. Und zwar so, dass zwei gleich starke Teams gegeneinander spielen. Dann geht’s los. „Kicken ist das Beste, was man sonntags nach einer durchzechten Nacht machen kann!“ Aus diesem Grund würde der Kicker niemals ein Sonntagsspiel ausfallen lassen.

Wer hätte das gedacht? Männer können auch anders. Besonders wenn es um Fußball geht!

Sabine Kortland

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